Mitgefühl als Weg 2017

Woche 1

       
                          

         Mit  Thom Bond

WOCHE 1

Das Thema der Woche

Alles was wir tun, tun wir, um ein Bedürfnis zu erfüllen."


Wenn es einen Gedanken gibt, der Einfühlsamkeit im Kern beschreibt, so ist es der folgende:
Alles, was wir jemals getan haben, alles, was ein Mensch jemals getan hat... oder jemals tun wird, ist ein Versuch, ein Bedürfnis zu erfüllen (das mag erfolgreich gewesen sein oder nicht)… Alle menschlichen Handlungen können als ein Versuch angesehen werden, Bedürfnisse zu erfüllen.
Ich behaupte nicht, dass das wahr ist - oder nicht wahr. Es geht um eine bestimmte Sichtweise. Jedoch behaupte ich sehr wohl, dass ich, wenn ich diese „Perspektive" oder „Bewusstheit" habe, und wenn ich meine eigenen Handlungen oder die Handlungen anderer im Lichte der menschlichen Bedürfnisse betrachten kann, mehr Verbindung und Mitgefühl erfahre. Im Ernst …. Es funktioniert.


Klicke auf diesen Link, um eine Liste und mehr Informationen über Bedürfnisse zu erhalten.

Diese Art zu denken hat alle meine Beziehungen verändert. Ich hoffe, durch die folgende Geschichte wird auf anschauliche Art und Weise deutlich, was ich meine. Vielleicht gibt sie auch Dir Hoffnung.


Aus der Praxis

Die Geschichte von den zwei Vätern


Ich werde nie vergessen, wie ich das erste Mal dieses Konzept in einem Gespräch mit meinem Vater angewandt habe. Nach 40 Jahren war ich überzeugt davon, dass er nie aufhören würde, mich zu kritisieren und mir Ratschläge zu geben. Während meines ganzen Lebens als Erwachsener fühlte ich mich immer äußerst unwohl, wenn dasselbe Verhaltensmuster jedes Mal wieder von Neuem aufflammte. Es machte mich verrückt.
Nachdem ich etwas über ein Jahr bei meinem Mentor Marshall Rosenberg in die Lehre gegangen war, besuchte ich meine Eltern zum Erntedankfest. Es dauerte nicht lange, bevor mich mein Vater auf folgende Weise nach meinen unmittelbaren Plänen fragte:

Papa: Also Thom, wie geht's mit deinem Unternehmen voran?

Ich: Alles bestens (ich hatte bereits ein leicht beklommenes Gefühl). Immer mehr Menschen bekunden Interesse... es sieht so aus, dass es im Moment echt gut läuft.

Papa: Das ist super... (kurze Stille) Hast du ein Konzept?

Ich: Ja, haben wir (ich erstellte früher einmal professionelle Unternehmenskonzepte).

Papa: Gut, du brauchst nämlich ein Konzept. Ist es schriftlich ausgearbeitet?

Ich: Ja, Papa, es ist schriftlich (ich konnte den aufsteigenden Ärger in mir spüren).

Papa: Das ist super... das Konzept muss nämlich schriftlich sein (wieder Stille). Beinhaltet das Konzept ein Gantt Diagramm? Du weißt schon, eine Liste mit allen Tätigkeiten, die erledigt werden müssen, mit den Personen, die sie erledigen und einem Zeitplan, bis wann sie erledigt werden sollen.

Ich: Ja, Papa, haben wir. (Nun war ich nahe am Explodieren). Und ja, es ist schriftlich. (Oh, wie war mir diese Situation vertraut und nicht unbedingt im positiven Sinne.)

Das „Verhör" ging weiter. Schlussendlich war es wieder einmal soweit:

Papa: Thom, die besten Konzepte und Ideen helfen nichts, auch wenn du sie zu Papier bringst. Du musst dich ins Zeug legen und aktiv werden! Thom, du musst dich schon anstrengen!

Die Augenblicke, die nun den Worten meines Vaters folgten, waren anders als diejenigen, die ich bisher in den vorangegangenen 40 Jahren mit ihm erlebt hatte. Ich möchte sie gern im Zeitlupentempo schildern, in der Hoffnung, dass es für Dich hilfreich ist.

Zeitlupentempo:

Schritt 1
Ich verlangsamte das Tempo. Ich wurde ganz langsam. Wie heißt es so schön: Wenn du immer das Gleiche tust, begegnet dir immer das Gleiche. In dem Moment, als mein Vater „loslegte", erinnerte ich mich daran, langsamer zu werden, sodass ich eine Wahl hatte, wie ich agieren wollte - ich musste nicht REagieren. Dadurch dass ich mich mit der Idee einer einfühlsamen Haltung auseinandergesetzt hatte, war es mir möglich, drei Dinge wahrzunehmen, die in diesem Moment abliefen:

Erstens - Ich hatte ein Bedürfnis, das nicht erfüllt war.

Zweitens - Ich hatte ein Urteil in meinem Kopf.

Drittens - Ich war gerade im Begriff, mit meinem Vater in einen weiteren Streit zu geraten. Außer ich änderte mein Verhaltensmuster.

Es war eine Herausforderung für mich, meine Aufmerksamkeit auf mein „unerfülltes Bedürfnis" zu richten und nicht auf die Bewertung. Eine echte Herausforderung, denn mein ganzes Leben lang hatte ich gelernt, den anderen für meine unerfüllten Bedürfnisse die Schuld zu geben. Ich neigte dazu, die Aufmerksamkeit auf Schuldzuweisungen zu richten anstatt auf Bedürfnisse.
Durch das Üben meiner neuen Haltung zu mehr Mitgefühl war es mir besser möglich, diese Momente rechtzeitig zu erkennen und das Tempo zu verlangsamen. Dadurch vermochte ich meine Aufmerksamkeit auf meine Bedürfnisse sowie auf die Bedürfnisse der anderen zu richten, und nicht auf Schuld und Urteile.
Um diese neue Fähigkeit zu verstärken, hatte ich mir einige Erinnerungshilfen ausgedacht. Sie sollten mich dabei unterstützen, mir bewusst zu machen, wenn ich gerade dabei war, Distanz statt Verbindung zu schaffen. Bei jenem Gespräch mit meinem Vater bemerkte ich, dass mein Brustraum enger wurde und dass ich dachte: „Er sollte das nicht sagen; er ist so rechthaberisch." Das war das Signal: enge Brust und Gedanken mit „sollen und nicht sollen".

Schritt 2
Ich gab mir selbst Empathie. Ich fragte mich: „Was ist es, was ich jetzt in diesem Moment wirklich fühle und brauche?" Ich fühlte mich verstört und frustriert, aber auch irgendwie hoffnungsvoll. Ich wollte gesehen werden. Aber was ich wirklich wollte, war mehr Ungezwungenheit, und außerdem sehnte ich mich nach Verbindung. Nachdem ich mir meiner Bedürfnisse bewusst geworden war, konnte ich meine Wahl treffen. Ich wählte Verbindung.

Schritt 3
Ich hörte empathisch zu. Als Nächstes probierte ich meine „einfühlsamen Ohren" aus, Ohren, die in diesem Moment nur die Bedürfnisse meines Vaters hörten. Das war der Augenblick der Wahrheit. In meinem Kopf wiederholte ich ständig die Worte: „Alle Handlungen sind ein Versuch, Bedürfnisse zu erfüllen. Alle Handlungen sind ein Versuch, Bedürfnisse zu erfüllen."
Aber welche Bedürfnisse könnten das, verdammt noch mal, sein - so fragte ich mich - die sich mein Vater zu erfüllen versuchte, indem er mir das Leben so schwer machte? Ich stellte mir die Frage noch einmal: „Welche Bedürfnisse …?" Und dieses Mal wollte ich es wirklich wissen.
Nun war ich bereit, mich ehrlich zu fragen: „Welche Bedürfnisse könnten das sein, die er sich erfüllt, indem er so mit mir spricht?" Das half mir, den „Angriff" meines Vaters aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich konnte nun seine Worte als einen Versuch ansehen, Bedürfnisse zu erfüllen. Und ich hatte etwas gefunden, das es mir ermöglichte, meinen Vater in einem neuen Licht zu sehen.
Ich konzentrierte mich nun auf die Bedürfnisse meines Vaters, und das veränderte alles, was ich weiterhin sagte…

„Papa, es klingt, als ob du dir wirklich wünschst, dass ich erfolgreich bin, und dass ich von deiner Erfahrung profitieren kann. Richtig?"

Er sah für einen Moment verwirrt drein und legte den Kopf auf die Seite. Nachdem er eine Weile geschwiegen hatte, sagte er, in einem Ton, der eine Kombination aus Erleichterung und Freude zu sein schien: „Ja..., das stimmt."
Direkt vor meinen Augen, verwandelte er sich von einem „kritischen, belehrenden Besserwisser" zu einem Mann, der seinen Sohn liebte und ihm dabei helfen wollte, erfolgreich zu sein.
Nie werde ich jenen Moment vergessen. Ich hätte mich verteidigen können. Ich hätte versuchen können, ihn davon zu überzeugen, dass ich doch alles richtig machte. In jenem Moment jedoch, war meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet. Was das Wichtigste zu sein schien, war, dass mir mein Vater helfen wollte, und die Art und Weise, wie er es mir gegenüber ausdrückte, war so, wie er es am besten konnte. Aus dieser Perspektive war es mir möglich, einfach zuzuhören und eine Verbindung zwischen uns zu spüren - und es war das erste Mal seit langer, langer Zeit, dass wir nicht miteinander stritten.
 

Übungen der Woche

Übung 1 - Sei Teil unserer Gemeinschaft
Über unser Gemeinschaftsforum haben wir rund um die Uhr die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu stehen. Diese Verbindung ermöglicht es uns, eine Gemeinschaft aufzubauen, in der wir uns über unsere Erfahrungen austauschen, uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam wachsen können.
Über das Austauschen in unserem Gemeinschaftsforum können wir einander mitteilen, wie es uns mit den Übungen geht, und unsere Erfahrungen teilen.
Link zur Registrierung und Anmeldung:

GEMEINSCHATSFORUM

Übung 2 - Mach den Kurs gemeinsam mit einer Person, die Dir am Herzen liegt
Es gibt noch eine Woche lang die Möglichkeit sich anzumelden. Es kann sehr viel Verbindung zwischen zwei Menschen entstehen, die den Kurs gemeinsam machen.
Um die Information weiterzuleiten, schicke diesen Link an eine/n Freund/Freundin: 

http://mitgefuehl-als-weg.com

Übung 3 - Bedürfnisse erkennen
Halte während des Tages ein kleines Notizbuch bereit. Mache pro Tag zwischen 1 und 5 Eintragungen, die beschreiben, was jemand getan oder gesagt hat, und notiere dazu das Bedürfnis, von dem Du annimmst, das der/die Betreffende sich damit erfüllen wollte. Es ist SEHR hilfreich, sich dabei auf die Wörter zu beschränken, die auf der 
Bedürfnisliste angegeben sind. Der Grund dafür wird in den kommenden Wochen klarer werden.

Übung 4 - Bedürfnisse erkennen (etwas größere Herausforderung)
Denke an eine Person, die Dir nahesteht. Diese Person tut oder sagt etwas, das Dir nicht gefällt. Versuche herauszufinden, welches Bedürfnis sich diese Person zu erfüllen versucht. Wie bei der vorangegangenen Übung ist es SEHR hilfreich, sich dabei auf die Wörter zu beschränken, die auf der 
Bedürfnisliste angegeben sind. Wiederum wird der Grund dafür in den kommenden Wochen klarer werden. Falls Du Hilfe benötigen solltest, klicke auf die T-Übung.


RESSOURCEN

Aufzeichnungen der Videokonferenzen
(hier zu finden nach dem ersten Termin)

KLICKE HIER (noch nicht aktiv)


NÜTZLICHE LINKS:

Die T-Übung

Bedürfnisliste 
Gefühlsliste

 


AKTUELLE INFORMATIONEN

Anmeldefrist bis 28. Juni 2017 verlängert!

In der vergangenen Woche sind so zahlreiche Anmeldungen bei uns eingetroffen, dass wir die Anmeldefrist bis zum 28. Juni, 18.00 (MEZ) - kurz vor dem Aussenden der zweiten wöchentlichen Einheit - verlängern.

Falls Du noch Freunde/Freundinnen hast, die vielleicht mit Dir gemeinsam den Kurs machen möchten, so ist dies noch möglich.

Zur deutschen Seite:
www.mitgefuehl-als-weg.com

Zur englischen Seite:
compassioncourse.org

Zur spanischen Seite:
www.elcursodecompasion.org
 

Zum Ablauf
Jeden Mittwoch erhältst Du eine E-Mailnachricht. Die erste E-Mailnachricht erreichte Dich am 21. Juni 2017.

Der Kurs dauert 52 Wochen und endet im Juni des nächsten Jahres.

Videokonferenzen
Jeden zweiten Dienstag des Monats, um 19.00 (MEZ), gibt es eine Videokonferenz von 45 Minuten Dauer. Der erste Termin ist der 11. Juli. Die Videokonferenz gibt Gelegenheit zur Vertiefung und Klärung und wird für die deutschsprachigen TeilnehmerInnen von Gabriele (Gabi) Vana geleitet. Es werden die Kapitel der vorangegangenen Wochen besprochen und Fragen beantwortet.

Die Videokonferenzen werden für diejenigen TeilnehmerInnen, die nicht live mit dabei sein können, aufgezeichnet. Links zum Download findest Du unter der Überschrift  "RESSOURCEN".

Der erste Termin:
Datum: Dienstag, 11. Juli
Zeit: 19.00 (MEZ)

Wie wählt man sich ein?

Wir verwenden erstmals Zoom Software, damit wir uns gegeseitig live sehen können (Du entscheidest selbst, ob Du Deine Kamera ein- oder ausschalten willst.) Genauere Details zum Einwählen findest Du in einem separaten Mail, das immer ein paar Tage vor der Videokonferenz ausgeschickt wird.

Gesprächsgebühren
Wenn Du Dich online einwählst, fallen keine Gesprächsgebühren an. Wenn Du ein Telefon benutzt, können individuelle Gesprächsgebühren anfallen.

 

Unsere Online Gemeinschaft
Unser Online Forum ist ein wesentlicher Bestandteil des Kurses. Es dient unseren TeilnehmerInnen zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung und bietet eine Gelegenheit, die Verbindung mit der Gemeinschaft aufrecht zu erhalten und zusammen mit Gleichgesinnten und als Gruppe zu wachsen.
Wenn wir das, was wir im Kurs gemeinsam erfahren, üben und lernen, mit anderen teilen, dann führt dies oft zu einem tieferen Lernprozess. Für gewöhnlich macht es auch noch Spaß und ist sehr inspirierend.

Zugang zum Forum
Für unser Forum kann man einen Computer oder ein mobiles Gerät verwenden.
Sobald Du auf den anschließenden Link klickst (siehe unten), gehe zu "Anmelden" und wähle Deinen individuellen Benutzernamen und ein Passwort für Deinen geschützten Zugang ins Forum.

WICHTIGER HINWEIS: Wir empfehlen, Deinen Benutzernamen und Dein Passwort für das Forum gut aufzubewahren, da wir keinen dazu Zugang haben.

Klicke auf den folgenden Link um zum unserem Forum zu gelangen:
GEMEINSCHAFTSFORUM

Online Kurs Mitgefühl als Weg - Facebook Gruppe/n
Wir haben, zusätzlich zu unserem Gemeinschaftsforum zwei separate Facebook Gruppen installiert – als weitere Möglichkeit, Unterstützung zu erhalten und Verbindung aufzubauen.

Facebookgruppe für „Mitgefühl als Weg 2017“
Dies ist eine „geheime“ Gruppe, nur für TeilnehmerInnen des aktuellen Kurses 2017/18.

Facebookgruppe für alle „Mitgefühl als Weg“ TeilnehmerInnen
Die ist eine „geheime“ Gruppe für alle, die bereits an unserem Online Kurs Mitgefühl als Weg teilgenommen haben und/oder beim jetzigen Kurs 2017/18 mit dabei sind. Um sich zu einer oder beiden Facebook Gruppen anzumelden, klicke
HIER

Vorangegangene Wochen 
In diesem Abschnitt werden im Laufe des Kurses immer die Links zu den vorangegangenen Wochen aufgelistet. Das Konzept und der Aufbau des Kurses wurde von Thom sorgfältig ausgearbeitet. Die wöchentlichen Einheiten beinhalten auch private Informationen über Thom. Um die Integrität und Wirksamkeit des Kurses, sowie Thoms Privatsphäre zu schützen, bitten wir darum, die Inhalte vertraulich zu behandeln und davon Abstand zu nehmen, sie an andere Personen weiterzugeben.

 

Fragen
Es kann manchmal vorkommen, dass wir viele E-Mails gleichzeitig erhalten, so dass es nicht möglich ist, alle sofort zu beantworten. In diesem Fall bitten wir um etwas Geduld.

Inhaltliche Fragen werden bei den Videokonferenzen beantwortet. 
Für weitere Anfragen schicke uns bitte eine Mail an die folgende E-Mail Adresse:

betreuung@mitgefuehl-als-weg.com


Impressum
Für den Inhalt verantwortlich
Thom Bond
The New York Center for Nonviolent Communication
Gardnertown Road
Newburgh NY, USA
Büro: 646 201 9226
Fax: 708 789 8543
E-Mail: 
office@nycnvc.org


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