Mitgefühl als Weg 2017

Woche 6

       
                          

         Mit  Thom Bond

WOCHE 6

Das Thema der Woche

Versteckte Urteile"


Wir haben im bisherigen Verlauf des Kurses bereits Urteile und Bewertungen in Bedürfnisse übersetzt (oder zumindest damit begonnen *herzliches Lächeln*). Es handelt sich dabei um eine ganz wesentliche Praxis, die wir auf unserer Reise zu mehr Mitgefühl immer wieder wiederholen und üben werden.
Je besser wir Urteile identifizieren können, umso leichter können wir Bedürfnisse bewusst wahrnehmen und dadurch häufiger und mehr Mitgefühl erfahren.
In dieser Woche möchte ich zwei weitere Punkte aufzeigen, deren Beachtung uns hilft, unser Mitgefühl zu stärken. Es geht erstens um die Unterscheidung zwischen einer reinen Beobachtung und einer Beobachtung, die mit einer Bewertung vermischt ist, und zweitens um die Verwendung von
Pseudo-Gefühlswörtern".


Zwischen Beobachtung" und Bewertung" unterscheiden

Ich kann damit umgehen, wenn du mir sagst,
was ich getan oder nicht getan habe.
Und ich kann damit umgehen, wenn du interpretierst.
Aber bitte vermische beides nicht miteinander.

Wenn du Verwirrung erzeugen willst,
kann ich dir sagen, wie das geht:
Vermische das, was ich tue,
mit deiner Reaktion darauf.

Sag' mir, dass du enttäuscht bist,
wenn du die unerledigte Arbeit siehst,
aber mich
verantwortungslos" zu nennen,
das motiviert mich überhaupt nicht.

Sag' mir, wenn du dich verletzt fühlst,
wenn ich
nein" sage zu deinen Annäherungsversuchen.
Aber mich frigide zu nennen,
erhöht deine Chancen bei mir nicht gerade.

Ja, ich kann damit umgehen, wenn du mir sagst,
was ich getan oder nicht getan habe.
Und ich kann damit umgehen, wenn du interpretierst.
Aber bitte vermische beides nicht miteinander.

Marshall Rosenberg
Freund, Mentor, Lehrer, Dichter


Wie wir bereits in den vergangenen Wochen besprochen haben, kann es Distanz erzeugen, wenn wir uns in Form von Urteilen ausdrücken. Die meisten von uns haben jedoch Schwierigkeiten damit, Urteile überhaupt zu erkennen. Indem wir lernen, Bewertungen wahrzunehmen und in unserer Sprache mehr Beobachtungen und weniger Urteile zu verwenden, können wir zu einer tieferen Verbindung beitragen.

Im praktischen Teil dieser Woche gibt es eine Übung, die uns dabei hilft, die zwei Arten der Kommunikation (Bewerten im Vergleich zu Beobachten) auseinanderzuhalten. Dadurch wiederum haben wir mehr Wahlmöglichkeiten darin, wie wir sprechen möchten und welche Erfahrungen wir als Folge davon machen.
Zur Information: Diese Übung kann eine ziemliche Herausforderung sein.

Wörter, die
Pseudo-Gefühle" ausdrücken

Sogenannte
Pseudo-Gefühlswörter" sind Wörter, die vermeintlich ein Gefühl ausdrücken. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um kein echtes Gefühl, sondern um versteckte Urteile, die sich als Gefühlsausdruck tarnen". Wir haben dieses Thema schon einmal gestreift. Dennoch ist es einer genaueren Betrachtung wert, weil viel Aufmerksamkeit, Engagement und ein starker Wille nötig sind, um Pseudo-Gefühlswörter" und die damit verbundenen Gedanken zu entlarven und sie übersetzen zu können.
Ich könnte zum Beispiel sagen:
Ich fühle mich verlassen." Denken wir genauer darüber nach, so bezeichnet  verlassen" eine Handlung, etwas, das geschieht (oder geschah). Damit handelt es sich um kein echtes Gefühl.
Allerdings heißt das nicht, dass eine Person, die
sich verlassen fühlt", keine Gefühle (oder Bedürfnisse) hätte. Es bedeutet einfach, dass die Gefühle nicht im Wort enthalten sind (und somit wahrscheinlich auch nicht im Bewusstsein der Person).

Wenn wir solche
Pseudo-Gefühlswörter" erkennen und in Gefühle und Bedürfnisse übersetzen, so erleben wir mehr Verbindung, Verständnis und Mitgefühl. Ich könnte mir zum Beispiel beim Wort verlassen" vorstellen, dass sich die Person, die das sagt, einsam fühlt, Angst hat und sich mehr Verbindung, Gesellschaft, Vertrauen oder Liebe wünscht. Wenn ich an diese Gefühle und Bedürfnisse denke (anstatt an das Wort verlassen"), spüre ich wahrscheinlich mehr Verbindung und kann besser verstehen, was die Person gerade durchlebt.

PRAKTISCHER HINWEIS: Wenn wir uns der
Pseudo-Gefühlswörter" bewusst werden, dann unterliegen viele von uns der Versuchung, andere Personen zu korrigieren", wenn sie so etwas sagen. Vielleicht erwidern wir sogar so etwas wie: Das ist kein Gefühl!" Allerdings führt das in den seltensten Fällen zu mehr Verbindung. Ich habe (auf die harte Tour) gelernt, Pseudo-Gefühlswörter" einfach in meinem eigenen Kopf für mich selbst umzuwandeln, um so für mich die Haltung von Mitgefühl und Verständnis zu kultivieren. Auf diese Weise kann ich auch meinen eigenen Gebrauch dieser Wörter erforschen und sie übersetzen. Eine sehr kraftvolle und transformative Übung, wie ich finde.

Im Übungsteil dieser Woche gibt es unter anderem auch eine Übung, die uns beim Prozess der Umwandlung von
Pseudo-Gefühlswörtern" in echte Gefühle unterstützt.


Aus der Praxis

Der Wein ist scheußlich!"

Eines Abends saß ich nach einer Übungsgruppe mit ein paar Freunden zusammen und nippte an dem Wein, den ich zuvor gekauft hatte. Als ich den ersten Schluck nahm, war ich entsetzt über den beinahe überwältigenden, intensiven Geschmack. Ich drückte das folgendermaßen aus…
Dieser Wein ist echt scheußlich!"
Zu meiner Überraschung sahen meine Freunde verblüfft und betroffen drein. Als ich ihren Gesichtsausdruck genauer studierte, dämmerte es mir, dass ihnen der Wein schmeckte.
Ich nahm einen neuen Anlauf:
Ich meine, dieser Wein ist zu intensiv für mich." Die Betroffenheit in ihren Blicken wandelte sich zu Verständnis, und in unserer Unterhaltung war sofort wieder mehr Verbindung spürbar.

In diesem Augenblick verwandelten wir uns von drei Personen, die eine Meinungsverschiedenheit über die
Wahrheit" hatten, zu drei Personen, die einen Wein tranken, der einem von den dreien nicht schmeckte.
Zugegeben, es handelt sich hier um einen winzigen Augenblick, der möglicherweise keine ernsthafteren Konsequenzen nach sich gezogen hätte. Oder vielleicht doch? Ich werde niemals vergessen, wie diese zwei verschiedenen Sätze auf ganz subtile, aber deutliche Weise die Qualität unseres Erlebens veränderte.

Mehr darüber im Laufe des Kurses
Mitgefühl als Weg…

 

Übungen der Woche

Übung 1 - Unterwegs in Richtung Mitgefühl"
Arbeite weiterhin mit
dieser Übung. Beginne dieses Mal, indem Du eine Beobachtung einer Handlung wählst (was jemand getan hat).
Du kannst auch einen eigenen bewertenden Gedanken als Ausgangspunkt verwenden; in diesem Fall beginne den Satz indem Du die folgenden Worte aufschreibst:
Ich habe den Gedanken/Ich sage mir selbst, dass..."
Ein Beispiel:
Ich habe den Gedanken, dass Chris egoistisch ist."

Übung 2 - Urteile wahrnehmen, im Gegensatz zu Bedürfnissen
Schreibe 4 Urteile auf, die Du über Deine eigenen Bedürfnisse hast, zum Beispiel:
Ich verdiene es nicht…", Bedürfnisse sind ein Zeichen von Schwäche", und so weiter. Nimm Dir Zeit dafür.
Als nächstes lies die
Bedürfnisliste durch oder drucke sie aus. Wähle Deine 5 liebsten Bedürfnisse aus (für diesen Moment) und schreibe sie auf. Beschäftige Dich mit diesen beiden Listen und mache Dir Gedanken dazu. Nimm wahr, was Du spürst, während Du Dir die eine und die andere Liste vergegenwärtigst. Schreibe alles nieder, was Dir dazu einfällt. Vielleicht magst Du Deine Erfahrung im Forum mitteilen.

Übung 3 -
Pseudo-Gefühlswörter-Spiel" Dieses einfache Spiel bzw. diese Übung entstand in den vielen Stunden, die ich in den Warteräumen von Ärzten und Zahnärzten verbracht habe und Bilder zeichnete, indem ich die vorgegebenen Punkte mit Linien verband. Es ist eine Übung zum Finden der versteckten Urteile" und dem Aufdecken der Gefühle und Bedürfnisse, die darin verborgen sind. KLICKE HIER, um zu dem Spiel zu gelangen.

Übung 4 - Nächster Schwierigkeitsgrad - Bewertungen und Urteile erkennen
Diese Übung hilft uns dabei, die
versteckten Urteile" in unserem Wortgebrauch zu orten. Wir üben dabei auch, uns frei von Bewertungen auszudrücken. Für diese Übung KLICKE HIER.



NÜTZLICHE LINKS:

Die T-Übung

Bedürfnisliste 
Gefühlsliste
Pseudo-Gefühlswörter-Spiel
Bewertung im Gegensatz zu Beobachtung - Übung
 


AKTUELLE INFORMATIONEN UND RESSOURCEN
Im Überblick:

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Aktuelle Neuigkeiten

Die Anmeldung für den Online Kurs Mitgefühl als Weg 2017 ist geschlossen.

Falls Du im nächsten Jahr Informationen zu unserem Online Kurs Mitgefühl als Weg 2018 erhalten möchtest, klicke bitte HIER.

Zur deutschen Seite:
www.mitgefuehl-als-weg.com

Zur englischen Seite:
compassioncourse.org

Zur spanischen Seite:
www.elcursodecompasion.org

Zur arabischen Seite:
http://www.altarahum.com
 

 


Zum Kursablauf
Jeden Mittwoch erhältst Du eine E-Mailnachricht. Die erste E-Mailnachricht erreichte Dich am 21. Juni 2017.

Der Kurs dauert 52 Wochen und endet im Juni des nächsten Jahres.

Vorangegangene Wochen 
In diesem Abschnitt werden im Laufe des Kurses immer die Links zu den vorangegangenen Wochen aufgelistet. Das Konzept und der Aufbau des Kurses wurde von Thom sorgfältig ausgearbeitet. Die wöchentlichen Einheiten beinhalten auch private Informationen über Thom. Um die Integrität und Wirksamkeit des Kurses, sowie Thoms Privatsphäre zu schützen, bitten wir darum, die Inhalte vertraulich zu behandeln und davon Abstand zu nehmen, sie an andere Personen weiterzugeben.


W1, W2, W3, W4, W5,


Videokonferenzen
Jeden zweiten Dienstag des Monats, um 19.00 (MEZ), gibt es eine Videokonferenz von 45 Minuten Dauer. Der nächste Termin ist der 8. August. Die Videokonferenz gibt Gelegenheit zur Vertiefung und Klärung und wird für die deutschsprachigen TeilnehmerInnen von Gabriele (Gabi) Vana geleitet. Es werden die Kapitel der vorangegangenen Wochen besprochen und Fragen beantwortet.

Die Videokonferenzen werden aufgezeichnet:

Link zur 1. Videokonferenz:
HIER KLICKEN

Von Gabi: Ich bedaure, dass ich bei der ersten Videokonferenz in meiner Aufregung erst 10 Minuten später auf den Aufnahmeknopf gedrückt habe. :( 

Der nächste Termin:
Datum: Dienstag, 8. August
Zeit: 19.00 (MEZ)

Wie wählt man sich ein?

Wir verwenden erstmals Zoom Software, um uns live sehen zu können (Du entscheidest, ob Du Deine Kamera ein- oder ausschalten willst.) Genauere Details zum Einwählen findest Du in einem separaten Mail, das immer ein paar Tage vor der Videokonferenz ausgeschickt wird.

Gesprächsgebühren
Wenn Du Dich online einwählst, fallen keine Gesprächsgebühren an. Wenn Du ein Telefon benutzt, können individuelle Gesprächsgebühren anfallen.

 

Unsere Online Gemeinschaft
Unser Online Forum ist ein wesentlicher Bestandteil des Kurses. Es dient unseren TeilnehmerInnen zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung und bietet eine Gelegenheit, die Verbindung mit der Gemeinschaft aufrecht zu erhalten und zusammen mit Gleichgesinnten und als Gruppe zu wachsen.
Wenn wir das, was wir im Kurs gemeinsam erfahren, üben und lernen, mit anderen teilen, dann führt dies oft zu einem tieferen Lernprozess. Für gewöhnlich macht es auch noch Spaß und ist sehr inspirierend.

Zugang zum Forum
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Es kann manchmal vorkommen, dass wir viele E-Mails gleichzeitig erhalten, so dass es nicht möglich ist, alle sofort zu beantworten. In diesem Fall bitten wir um etwas Geduld.

Inhaltliche Fragen werden bei den Videokonferenzen beantwortet. 
Für weitere Anfragen schicke uns bitte eine Mail an die folgende E-Mail Adresse:

betreuung@mitgefuehl-als-weg.com


Impressum
Für den Inhalt verantwortlich
Thom Bond

The New York Center for Nonviolent Communication
Gardnertown Road
Newburgh NY, USA
Büro: 646 201 9226
Fax: 708 789 8543
E-Mail: 
office@nycnvc.org


© Copyright Thom Bond 2017
 


 

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Donnerstag, 27. Juli 2017 - Sonntag, 30. Juli 2017
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19.00 - 21.15
Ungerade Monate in Graz:
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Freitag, 25. August 2017 - Sonntag, 27. August 2017
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Donnerstag, 19. Oktober 2017 - Sonntag, 22. Oktober 2017
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