Mitgefühl als Weg 2017

Woche 7

       
                          

         Mit  Thom Bond

WOCHE 7

Das Thema der Woche

Noch einmal Gefühle"


Wir machen uns nun seit der dritten Woche mit der Kunst" vertraut, Gefühle wahrzunehmen und diese mit Bedürfnissen in Zusammenhang zu bringen (oder jedenfalls haben wir damit begonnen *herzliches Lächeln*). Es handelt sich dabei um eine ganz wesentliche Praxis, die wir auf unserer Reise zu mehr Mitgefühl immer wieder wiederholen und üben werden.
Je stärker wir die Fähigkeit, Bedürfnisse hinter den Gefühlen sehen zu können, entwickeln, umso mehr erschaffen wir die unvermeidbaren Bedingungen für ein bewusstes Wahrnehmen unserer Bedürfnisse und erfahren somit immer mehr Mitgefühl.
Viele von uns haben gelernt, sich von ihren Gefühlen abzuwenden, anstatt sie als Freunde willkommen zu heißen, und das kann auf mehrere Arten geschehen:


Uns für unsere Gefühle verurteilen
Die folgenden Worte oder Gedanken sind vielen Menschen vertraut:
Du solltest dich nicht so fühlen" oder Ich habe nicht das Recht, mich so zu fühlen". Diese Gedanken erzeugen einen Zwiespalt zwischen uns und unseren Gefühlen und bewirken höchstwahrscheinlich, dass wir sie immer weniger und seltener spüren wollen.

Angst vor unseren Gefühlen
Viele von uns haben Angst vor Gefühlen. Wir sehen sie als eine Quelle von Schmerz, die man besser vermeidet. Unsere Übungen führen jedoch zur Einsicht, dass unsere Gefühle uns zur Quelle unseres Schmerzes führen und nicht selbst die Quelle des Schmerzes sind. Wenn wir üben, unsere Gefühle zu fühlen und sie willkommen zu heißen, können wir eine tiefere Beziehung zu ihnen aufbauen (und somit auch zu unseren Bedürfnissen, auf die sie uns aufmerksam machen). Somit vergrößert sich unsere Fähigkeit mehr Mitgefühl zu erzeugen und der Spielraum, um unser Leben befriedigend zu gestalten.


Unsere Gefühle ignorieren
Manche von uns haben gelernt, Gefühle zu ignorieren oder zu unterdrücken. Wir sind vielleicht mit ähnlichen Aussagen aufgewachsen, wie:
Werde endlich erwachsen!" oder Sei doch nicht so eine Heulsuse". Wir wurden dazu ermutigt, ja uns wurde vielleicht sogar befohlen, uns von unseren Gefühlen abzuschneiden.
Ich erinnere mich daran, wie ich als kleiner Junge in der vierten Klasse beim Fußballspielen mit meinem Klassenkameraden Gerard um den Ball kämpfte. Gerard wog damals ungefähr 70 kg, im Gegensatz zu meinen 40 kg. Während des Zweikampfes fiel er plötzlich auf meinen Kopf, und das passierte genau auf der geteerten Begrenzungslinie.
Ich kann mich gut an den fürchterlichen Schmerz erinnern, den Gerards Gewicht verursachte, während mein Ohr und meine Wange auf den Boden gedrückt und über die harte Oberfläche geschliffen wurden. Ich erinnere mich auch daran, wie ich mich entschuldigte und mich nach Hause schlich. Ich kehrte beim Weggehen meinen Freunden den Rücken zu und wartete, bis ich außer Hörweite war, bevor ich endlich weinen konnte. Der Druck, ein
Mann sein zu müssen" verlangte von mir kleinem Kerl ganz schön viel ab, aber es gelang mir. Ich lernte, meine Gefühle zu unterdrücken.
Wenn ich mit anderen Leuten darüber spreche, dann höre ich, dass die meisten früher ganz ähnliche Erlebnisse hatten wie ich.


Gefühle als Botschafter
Heutzutage finde ich es viel hilfreicher, Gefühle als Botschafter zu betrachten… so wie kleine Wesen in mir, die mir in meinem Leben helfen, mich zurechtzufinden. Sie zeigen mir in jedem Augenblick aufs Neue, wie es mir gerade geht und was ich brauche.
Diese Art, meine Gefühle zu sehen, hilft mir dabei, mit mir selbst, mit dem Leben und letztendlich mit der Lebensenergie der Menschen um mich herum stärker verbunden zu bleiben.
Diese Botschafter sind meiner Erfahrung nach meine lieben, hingebungsvollen Freunde und Begleiter… ja, sie sind mir so treu ergeben, dass sie sich sogar oft so lange weigern, von meiner Seite zu weichen, bis ich die Nachricht, die sie mir überbringen wollen, gänzlich erfasst habe. Fast immer bringen sie mich in meine Mittte, zu mir selbst.

Die Übungen dieser Woche helfen uns dabei, unsere Beziehung zu unseren Gefühlen neu zu entdecken, neu zu gestalten und zu vertiefen. Durch das Üben begreifen wir allmählich immer besser und auf einer tieferen Ebene, was Mitgefühl bedeutet und wie wir unser Leben erfüllender gestalten können.



Aus der Praxis

Verstreute Zettel und 30 Sekunden Empathie

Ich kann mich an einen Sonntagnachmittag erinnern, als ich meine Wohnung aufräumte und einen kleinen Stapel Papier fand, den meine Partnerin auf dem Bett liegen gelassen hatte. Als ich sanft die Bettdecke unter dem Papier gerade ziehen wollte, bewegte sich der Stoß und die Zettel rutschten nach hinten, zwischen dem Bett und der Wand auf den Boden. Als ich mit der Hand nach ihnen griff, zerstreuten sie sich noch weiter unter dem Bett, zwischen Staub und weiß Gott was noch allem (Igitt!). Innerhalb weniger Sekunden sah ich mich einem großen Durcheinander gegenüber, das mit meinen Händen schwer zu erreichen war.

Ich spürte, wie Wut auf meine Partnerin in mir hoch stieg. Zum Glück kam ich auf den Gedanken, darauf zu achten, was gerade in mir vorging. Ich atmete tief durch und horchte in mich hinein.

Ich nahm wahr, was ich fühlte; es war Frustration, weil mir Ordnung und Leichtigkeit wirklich wichtig sind. Ich war auch wütend, weil ich meiner Partnerin die Schuld an dieser Unordnung gab und dachte, sie hätte die Papiere nicht am Bett liegen lassen sollen.

Indem ich nachspürte, was in mir vorging, eröffnete sich für mich eine Wahlmöglichkeit… ich konnte bei meiner Bewertung bleiben und denken, dass sie mehr Ordnung halten sollte", oder ich konnte mich mit meinen Bedürfnissen verbinden. Ich entschied mich dafür, meine Aufmerksamkeit auf mein Bedürfnis nach Ordnung zu richten und die Zettel ganz einfach wegzuräumen. Und während ich das tat, erkannte ich, dass die Schuld" meiner Partnerin an Wichtigkeit verlor. Tatsächlich schien mir nun alles ein kleiner unabsichtlicher Unfall zu sein, bei dem niemand etwas  Falsches" getan hatte und ich musste beinahe lachen.

Gerade in dem Moment, als sich diese Veränderung in mir vollzog, hörte ich meine Partnerin aus dem Wohnzimmer herüber rufen: Alles OK bei dir?"

Ja", erwiderte ich. Es war alles OK.

Als ich diese simple Antwort gab, wurde mir bewusst, dass ich, wenn ich dieselbe Frage nur 30 Sekunden früher gehört hätte, in einem Schuld-Modus" gewesen wäre. Aus dieser Stimmung heraus hätte ich wahrscheinlich etwas gesagt, das nicht im Einklang mit meinen Werten gewesen wäre und mit großer Sicherheit zu einer sofortigen Distanzierung beigetragen hätte.

Ich bin dankbar für die Wahlmöglichkeit, die ich mir in jenem Moment selbst geschenkt habe. Indem ich mich neugierig nach innen wandte, um meine Gefühle und Bedürfnisse zu erforschen (anstatt bei meinen Bewertungen zu bleiben), wurde es mir möglich, diesem Moment die Qualität von Verbindung und Mitgefühl zu verleihen… für mich selbst und für meine Partnerin. Wie schön.


 
Übungen der Woche

Übung 1 - Ich und meine Gefühle
Denke an eine Situation in Deinem Leben, die ein ziemlich starkes Gefühl, wie z.B. Schmerz in Dir auslöst. Nimm das Gefühl wahr. Spüre das Gefühl. Bleibe ungefähr eine Minute lang bei diesem Gefühl. Einfach nur wahrnehmen und fühlen. Bleibe bei diesem Gefühl.

Es mag sein, dass in Deinem Kopf Urteile über dieses Gefühl auftauchen, dass Du es vermeiden oder ihm ausweichen möchtest. Nimm auch das wahr. Dann gehe wieder zu Deinem Gefühl zurück. Wiederhole den Vorgang circa 2 bis 5 Minuten lang.

Diese Übung ist eine wirksame Möglichkeit, Deine Gedanken und Reaktionen auf Deine Gefühle herauszufinden. Indem Du dies übst, schaffst Du die Möglichkeit, Dich allmählich mit Deinen Gefühlen (und mit Dir selbst) besser vertraut zu machen. Fürs Erste nimm einfach nur wahr, was in Dir vorgeht. Vielleicht hast Du Lust, diese Erfahrung mit unserer Gruppe im Gemeinschaftsforum zu teilen.

Übung 2 - Wir begeben uns weiter auf Entdeckungsreise und nehmen wahr, was wir uns selbst über unsere Gefühle sagen
Schreibe 4 Urteile auf, die Du über Gefühle hast (zum Beispiel:
Ich verdiene es nicht, Gefühle zu haben", Meine Gefühle werden mir weh tun", und so weiter).
Hinweis: Für gewöhnlich entdeckst Du bereits ein paar dieser Urteile in Übung 1.

Danach schreibe auf, welches Bedürfnis oder welche Bedürfnisse Du Dir damit erfüllst oder versuchst Dir zu erfüllen, indem Du diese Urteile denkst.

Zum Schluss schreibe auf, welches Bedürfnis/welche Bedürfnisse Du Dir durch das Denken dieser Urteile NICHT erfüllst. Vielleicht möchtest Du auch diese Ergebnisse mit der Gruppe teilen.



NÜTZLICHE LINKS:

Die T-Übung

Bedürfnisliste 
Gefühlsliste
Pseudo-Gefühlswörter-Spiel
Bewertung im Gegensatz zu Beobachtung - Übung
 


AKTUELLE INFORMATIONEN UND RESSOURCEN
Im Überblick:

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Aktuelle Neuigkeiten

Derzeit nehmen circa 6.000 Menschen aus vielen verschiedenen Ländern der Welt an unserem Online Kurs Mitgefühl als Weg teil. Sie alle widmen ein Jahr ihres Lebens für mehr Mitgefühl in ihrem Leben und in der Welt.

Es verspricht ein weiteres großartiges Jahr für Mitgefühl zu werden…

Falls Du im nächsten Jahr Informationen zu unserem Online Kurs Mitgefühl als Weg 2018 erhalten möchtest, klicke bitte HIER.

Zur deutschen Seite:
www.mitgefuehl-als-weg.com

Zur englischen Seite:
compassioncourse.org

Zur spanischen Seite:
www.elcursodecompasion.org

Zur arabischen Seite:
http://www.altarahum.com
 

 


Zum Kursablauf
Jeden Mittwoch erhältst Du eine E-Mailnachricht. Die erste E-Mailnachricht erreichte Dich am 21. Juni 2017.

Der Kurs dauert 52 Wochen und endet im Juni des nächsten Jahres.

Vorangegangene Wochen 
In diesem Abschnitt werden im Laufe des Kurses immer die Links zu den vorangegangenen Wochen aufgelistet. Das Konzept und der Aufbau des Kurses wurde von Thom sorgfältig ausgearbeitet. Die wöchentlichen Einheiten beinhalten auch private Informationen über Thom. Um die Integrität und Wirksamkeit des Kurses, sowie Thoms Privatsphäre zu schützen, bitten wir darum, die Inhalte vertraulich zu behandeln und davon Abstand zu nehmen, sie an andere Personen weiterzugeben.


W1, W2, W3, W4, W5, W6,


Videokonferenzen
Jeden zweiten Dienstag des Monats, um 19.00 (MEZ), gibt es eine Videokonferenz von 45 Minuten Dauer. Der nächste Termin ist der 8. August. Die Videokonferenz gibt Gelegenheit zur Vertiefung und Klärung und wird für die deutschsprachigen TeilnehmerInnen von Gabriele (Gabi) Vana geleitet. Es werden die Kapitel der vorangegangenen Wochen besprochen und Fragen beantwortet.

Die Videokonferenzen werden aufgezeichnet:

Link zur 1. Videokonferenz:
HIER KLICKEN

Von Gabi: Ich bedaure, dass ich bei der ersten Videokonferenz in meiner Aufregung erst 10 Minuten später auf den Aufnahmeknopf gedrückt habe. :( 

Der nächste Termin:
Datum: Dienstag, 8. August
Zeit: 19.00 (MEZ)

Wie wählt man sich ein?

Wir verwenden erstmals Zoom Software, um uns live sehen zu können (Du entscheidest, ob Du Deine Kamera ein- oder ausschalten willst.) Genauere Details zum Einwählen findest Du in einem separaten Mail, das immer ein paar Tage vor der Videokonferenz ausgeschickt wird.

Gesprächsgebühren
Wenn Du Dich online einwählst, fallen keine Gesprächsgebühren an. Wenn Du ein Telefon benutzt, können individuelle Gesprächsgebühren anfallen.

 

Unsere Online Gemeinschaft
Unser Online Forum ist ein wesentlicher Bestandteil des Kurses. Es dient unseren TeilnehmerInnen zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung und bietet eine Gelegenheit, die Verbindung mit der Gemeinschaft aufrecht zu erhalten und zusammen mit Gleichgesinnten und als Gruppe zu wachsen.
Wenn wir das, was wir im Kurs gemeinsam erfahren, üben und lernen, mit anderen teilen, dann führt dies oft zu einem tieferen Lernprozess. Für gewöhnlich macht es auch noch Spaß und ist sehr inspirierend.

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Fragen
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Inhaltliche Fragen werden bei den Videokonferenzen beantwortet. 
Für weitere Anfragen schicke uns bitte eine Mail an die folgende E-Mail Adresse:

betreuung@mitgefuehl-als-weg.com


Impressum
Für den Inhalt verantwortlich
Thom Bond

The New York Center for Nonviolent Communication
Gardnertown Road
Newburgh NY, USA
Büro: 646 201 9226
Fax: 708 789 8543
E-Mail: 
office@nycnvc.org


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Angebote mit Gabi Vana

FIRST MONDAYS in GRAZ und SPIELBERG/Österreich
Einführungsabende in die Gewaltfreie Kommunikation mit Gabi Vana, jeden ersten Montag des Monats

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Anmeldungen und Anfragen bitte unter: betreuung@mitgefuehl-als-weg.com

DISCOVERY WEEKEND
Die Freundschaft mit uns selbst vertiefen

Freitag, 25. August 2017 - Sonntag, 27. August 2017
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DAS LEBEN DURCH BITTEN VERSCHÖNERN
4-Tages Intensivtraining mit Gabi Vana

Donnerstag, 26. Oktober 2017 - Sonntag, 29. Oktober 2017
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